Identity area
Reference code
Title
Date(s)
- 1985 - 1997 (Creation)
Level of description
Extent and medium
5 Archivschachteln mit Schriftgut (Papier und Telefaxblätter)
Context area
Name of creator
Administrative history
Im Juli 1985 eröffnete Alfred Dallinger, der damalige Bundesminister für Soziales (1980-1999), den „Verein zur Betreuung und Beratung ausländischer Arbeitnehmer in Tirol – Ausländerberatungsstelle Tirol“. Bereits 1984 wurde der Verein von einer Gruppe rund um Walter Guggenberger, Abgeordneter zum Österreichischen Nationalrat (1983-1999), gegründet und nahm seine Tätigkeit nach der offiziellen Eröffnung in der Leopoldstraße in Innsbruck auf. Anfang der 2000er Jahre wurde der Vereinsname in „Zentrum für MigrantInnen in Tirol – ZeMiT“ geändert.
Für die Auseinandersetzung mit der Vereinsgeschichte ist es jedoch wichtig, die historischen Ereignisse der 1980er Jahre zu berücksichtigen: Der massive Abbau von ausländischen Arbeitskräften ab Mitte der 1970er Jahre und insbesondere der rasante Anstieg der Arbeitslosigkeitsquote zwischen 1980 und 1983 in Österreich stellten die Arbeitsmarktpolitik vor große Herausforderungen. Es war notwendig, neue Lösungsansätze zu schaffen. Mit der „Aktion 8.000“ unter Bundesminister Alfred Dallinger sollte einerseits die Langzeitarbeitlosigkeit bekämpft, andererseits Menschen beim (Wieder-)Einstieg in den Arbeitsmarkt unterstützt werden. Das neue Programm der Politik ermöglichte u. a. die Auslagerung von Diensten der Arbeitsverwaltung, im Zuge dessen erste sozialökonomische Betriebe, aber auch arbeitsmarktpolitische Beratungs- und Betreuungseinrichtungen (BBE) entstanden sind. Dazu zählen die 1983 schrittweise in vielen Bundesländern Österreichs gegründeten Beratungs- und Betreuungseinrichtungen für Migrant*innen. Damals wie heute ist es die primäre Aufgabe des Vereins, ausländischen Arbeitnehmer*innen und deren Familienangehörigen, Eingebürgerten und anerkannten Flüchtlingen vertraulich, kostenlos und mehrsprachig arbeitsmarkt- und sozialpolitische Beratung anzubieten. Neben Beratungen in der Zentrale finden im Auftrag der Landesgeschäftsstelle des Arbeitsmarktservices Tirol auch in den Regionalgeschäftsstellen des AMS Sprechstunden statt. Das Beratungsangebot wurde 2013 mit der Anerkennungsberatung (AST- Anlaufstelle für Personen mit im Ausland erworbenen Qualifikationen) für Tirol und Vorarlberg erweitert. Aufgrund der jahrelangen, erfolgreichen Arbeit in der AST-Beratung im Bundesland Vorarlberg wurde das ZeMiT vom AMS Vorarlberg mit weiteren Projekten wie der Beratung von bleibeberechtigten Flüchtlingen beauftragt und setzt diese in Bregenz und Feldkirch um.
In der Zwischenzeit ist das ZeMiT ein wesentlicher Teil der Soziallandschaft Tirols und hat sich insbesondere ab den 1990er Jahren mit Aktionen für die Rechte von Migrant*innen und später mit zahlreichen internationalen wie nationalen Projekten zu einer wichtigen Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Zivilgesellschaft etabliert. Eines dieser Projekte ist das Dokumentationsarchiv Migration Tirol – DAM. Eng verbunden ist die Geschichte des DAM nämlich mit jener des Trägervereins ZeMiT. Sowohl die Beratungspraxis als auch aktivistische Initiativen im Kampf um Rechte von Migrant*innen und gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit wurden bereits sehr früh vom ehemaligen Sekretär und dem späterem Geschäftsführer (1985-2020) des ZeMiT, Gerhard Hetfleisch, dokumentiert. Als Historiker und aus geschichtswissenschaftlichem Interesse sammelte er Beratungsunterlagen und weitere Zeitdokumente, welche später die Grundsteine für das DAM gelegt haben. Als Gründungsmitglied und Wegbegleiter sind Gerhard Hetfleisch und Walter Guggenberger nach wie vor Mitglieder des ZeMiT-Vorstands. Walter Guggenberger führt seine Tätigkeit als Vorsitzender des Vorstands weiterhin fort. Seit 2020 ist Mirjana Stojaković Geschäftsführerin der Institution.
Repository
Archival history
Content and structure area
Scope and content
Mit Beginn der Jugoslawienkriege 1991 und der Fluchtbewegung stand Österreich vor einer großen Herausforderung. Nicht nur die einzelnen Landesregierungen erstellten Konzepte zur Betreuung der sog. "De-facto-Flüchtlinge" aus Bosnien und teils aus Kroatien, sondern auch Vereine und andere Institutionen. Im Bundesland Tirol kam es schließlich Ende des Jahres 1991 zu einer Fördervereinbarung zwischen der Bundesrepublik Österreich, vertreten durch die Tiroler Landesregierung, dem Verein zur Betreuung und Beratung von Ausländern in Tirol - Ausländerberatungsstelle Tirol und der Kontaktstelle der Caritas für Flüchtlingsbetreuung. So wurde die Ausländerberatungsstelle in den Jahren 1992 bis 1994 von der Tiroler Landesregierung, Abteilung Flüchtlingswesen damit beauftragt, einerseits den Geflüchteten die Flüchtlingshilfe auszubezahlen, andererseits – aufgrund der Zusammenarbeit mit der Arbeitsmarktverwaltung, aber auch der Sprachkenntnisse in Bosnisch, Kroatisch und Serbisch der Mitarbeiter*innen – integrative Arbeit zu leisten.
Doch bereits zuvor, nämlich in den 1980er Jahren bis in die 2000er Jahre, betreute der Verein immer wieder geflüchtete Personen aus der Türkei. Fallakten von Geflüchteten aus der Türkei, die vornehmlich nach dem Militärputsch im September 1980 das Land verließen, sind Teil des Bestandes und geben gemeinsam mit dem Schriftgut zur Betreuung der "De-facto-Flüchtlinge" einen Einblick in die Flüchtlingsbetreuung des Vereins.
Accruals
System of arrangement
Conditions of access and use area
Conditions governing access
Der Teilbestand enthält einerseits Schriftgut, für welches die Schutzfrist für besondere Kategorien personenbezogener Daten gilt, andererseits Verwaltungsakten. Letztere unterliegen einer 30-jährigen Sperrfrist, die ab dem Tag der letzten inhaltlichen Bearbeitung der Unterlagen beginnt. Für Ausnahmebewilligungen zur Akteneinsicht für wissenschaftliche Zwecke ist eine schriftliche Anfrage an den Trägerverein ZeMiT zu richten. Vertraglich festgelegte Unterlagen, Informationsmaterial und Presseaussendungen stellen eine Ausnahme dar. Sie bleiben transparent und sind zugänglich.
Conditions governing reproduction
Language of material
Bosnian
German
English
Croatian
Serbian
Turkish